Himmlischer Jazz zum vierten Advent

 
  1. Dezember 2016 | 00.00 Uhr

 

 

Hückeswagen

Himmlischer Jazz zum vierten Advent

Foto: J.Moll

 

Hückeswagen. Die „Engelsbläser“ aus Engelskirchen begeisterten am Freitag mit besinnlichen und beschwingten Liedern das mit rund 80 Gästen gut besuchte Kultur-Haus Zach. Die Spielfreude und das ausgewogene Programm erfreuten das Publikum besonders. Von Wolfgang Weitzdörfer

Der Beginn ist mit Georg Friedrich Händels „Joy To The World“ noch ein wenig behäbig, dafür geht es aber anschließend richtig in die Vollen. Die „Engelsbläser“ waren bereits zum dritten Mal im Kultur-Haus Zach zu Gast. Und das wusste selbst der ins Oberbergische emigrierte Westfale, Bandleader Bernt Laukamp: „Beim ersten Mal ist es ein Experiment, beim zweiten Mal Tradition – und beim dritten Mal ist es Brauchtum!“

Dazu passte das gut gelaunte und souveräne Auftreten der 16 Musiker. Schließlich gehört zu echtem Brauchtum eine kaltschnäuzige, – nun ja – coole Lässigkeit, die sich nicht zuletzt im ausgiebigen Solieren praktisch aller Musiker äußert. Auch die Liedauswahl tat ihr Übriges: Denn nicht anders als cool war es zu nennen, dass das komplette Publikum schon beim zweiten Stück geschlossen den Refrain mitsang. Und das nicht bei irgendeinem Weihnachts-Pop-Klassiker. Nein, es war das altbekannte Weihnachtslied „Lasst uns froh und munter sein!“, das so herrlich verswingt gemeinsam gesungen wurde. In der Tat: Munter war sowohl Band wie Publikum.

Mitsingen sei ausdrücklich erlaubt, gab der bestens gelaunte und zum Reden aufgelegte Bandleader Laukamp die Devise vor. Und ging mit gutem Beispiel voran, schließlich dirigierte er nicht nur souverän sein Ensemble, sondern er schnappte sich immer wieder das Mikrofon und schmetterte die eine oder andere Strophe als Vorsänger ins Rund: So etwa bei der bekannten „Hymn Of The Republic“, auch als „John Brown’s Body“ oder „Glory Halleluja“ bekannt. Auch hier wurde die Band wieder vom durchaus sangesfreudigen Hückeswagener Publikum kräftig unterstützt, das sein Gefallen außerdem durch ausgiebiges Mitklatschen und lautem Applaus kundtat.

Doch die „Engelsbläser“ konnten auch besinnlich: Diente der Eröffnungs-Händel noch ein wenig der Band-Besinnlichkeits-Feinjustierung, wurde es bei „In Dulci Jubilo“ zur beinahen sakralen Angelegenheit. Diese Vielfalt tat auch der Abwechslung im Programm sehr gut. Denn schon ging’s wieder zurück in die USA: Die „Bourbon Street Parade“ brachte einmal mehr herzhaft swingenden Good-Time-Jazz ins Hückeswagener Island. Dabei waren es vor allem die durchweg großartigen Solospots, die immer wieder spontanen Applaus bekamen. So muss Spielfreude aussehen! Dazu passte auch wunderbar, dass Laukamp sich etwa im zweiten Teil von „Just A Closer Walk With Thee“ die Posaune griff und ein Solo schmetterte. Dass er dabei spaßeshalber von seinem Orchester angegähnt wurde, machte nur die gute Stimmung unter den „Engelsbläsern“ deutlich.

Auch das Programm des restlichen Abends setzte auf diese bewährte Mischung. „Jingle Bells“ traf da auf „Ihr Kinderlein kommet“, der furiose „Wild Cat Blues“ auf „Engel auf den Feldern singen“ und „Ich steh an deiner Krippen hier“ auf „Santa Claus Is Coming To Town“. Ebenfalls hervorragend: Die Gesangseinlage von Trompeter Helmut bei „Wonderful World“. Die Mischung funktionierte: Das Publikum war begeistert, klatsche kräftig und ausdauernd und wurde nach rund zwei Stunden jazzig-himmlischer Engelsmusik in die kalte Hückeswagener Nacht entlassen.

Quelle: RP

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